Lehren & Lernen 3/2016 Die Leitperspektiven im baden-württembergischen Bildungsplan 2016
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Produktinformationen "Lehren & Lernen 3/2016 Die Leitperspektiven im baden-württembergischen Bildungsplan 2016"
Inhalt
- "Jugendliche müssen Jugend bewältigen"
- Warum (schon wieder) ein "neuer" Bildungsplan?
- Die "Leitperspektiven" des Bildungsplans 2016
- Die Anhörung zum Bildungsplan 2016
- Digitale Instrumente zur Unterstützung von Lernprozessen
- Chancen und Grenzen des neuen Bildungsplans aus der Sicht von Gemeinschaftsschulen
- Leitperspektive "Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt" im Bildungsplan 2016
- Globalgeschichte als "Fenster zur Welt"
Panorama
- "Die die Werte!!
| Produkttyp: | Zeitschrift |
|---|
Seitenzahl: 40 Seiten
Erscheinungstermin: 21.03.2016
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Eines der Kernanliegen des Kultusministeriums bei der Reform der Bildungspläne für die allgemeinbildenden Schulen in Baden-Württemberg 2016 ist es, die Öffentlichkeit und vor allem die Lehrer/-innen in den Entstehungsprozess einzubeziehen. Hohe Transparenz und vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten charakterisieren aus diesem Grund die Bildungsplanarbeit. Ein Beirat, dem Vertreter/-innen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik angehören, begleitet den gesamten Entwicklungsprozess.
Der nachfolgende Beitrag des Sozial- und Jugendpädagogen und ehemaligen Verantwortlichen zahlreicher Shell-Jugendstudien, Professor Richard Münchmeier, bietet eine überaus anschauliche Analyse des Befundes: „Nicht die Jugendlichen, sondern das Aufwachsen ist schwieriger geworden.“ Was bedeutet dies für die öffentliche Bildungsverantwortung? Seine Antworten weisen erwartungsgemäß über die Schule hinaus. Im Lichte seiner Ausführungen sollte der Bildungsplan 2016 kritisch befragt werden. Enthält er Antworten auf Fragen und Herausforderungen, vor denen Jugendliche heute stehen?
Das Landesinstitut für Schulentwicklung (LS) erstellt im Auftrag des Kultusministeriums pädagogische Umsetzungshilfen zum gemeinsamen Bildungsplan 2016 Sek I in Form von Kompetenzrastern zu den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch, Französisch und Biologie. Dabei handelt es sich um eine übersichtliche Strukturierung des Bildungsplans nach Kompetenzbereichen und Lernfortschritten. In der Zelle des Rasters steht eine Kompetenz aus Sicht der Lernenden: „Ich kann …“. Jeder einzelne Ich-kann-Satz wird mit so genannten Lernwegelisten hinterlegt, die die Handlungsanforderungen kleinschrittig konkretisieren, indem spezifische Teilkompetenzen ausgewiesen werden. Der dritte Baustein sind Lernmaterialien, anhand derer die Schüler/ -innen solches Können erwerben, einüben, vertiefen oder überprüfen können. Die drei Instrumente Kompetenzraster, Lernwegelisten, Lernmaterialien und Instrumente der Lernprozessbegleitung werden hier zusammengefasst unter „Lernlandschaft“. Damit sollen die Schulen unterstützt werden, strukturierte Sammlungen von Lernmaterialien im Kollegium, aber auch schulübergreifend, strukturiert aufzubauen und diese Materialien den Schüler/-innen in geeigneten Lehr- und Lernformen zur Auswahl zugänglich zu machen.
Keine Leitperspektive hat zu so vielen kontrovers geführten Diskussionen und zu einer solchen Medienresonanz geführt wie die zur „Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt“ (BTV). Dieser Artikel soll der Versachlichung einer kontrovers und emotional geführten Diskussion um ein sensibles Thema dienen. Wohl wissend, dass die Leitperspektive auf alle Formen von gesellschaftlicher Pluralität und Vielfalt zielt, fokussiere ich bewusst den Teilaspekt sexueller Vielfalt. Im Folgenden wird erläutert, welche Bedeutung dieser Aspekt der Leitperspektive BTV hat und welche unterstützenden Maßnahmen zu seiner Umsetzung notwendig sind.
Seit Ende November steht das Regierungsprogramm der CDU für die Landtagswahl im Volltext im Netz. Jeder kann Kapitel 3 Schulpolitik lesen und findet dort auch die Überschrift „Die Gemeinschaftsschule ist gescheitert“. „Lehren und Lernen“ ist kein Forum für parteipolitische Auseinandersetzungen, sondern – so verspricht diese Zeitschrift im Untertitel – für „Innovationen aus Baden-Württemberg“. Das beinhaltet für kritisch-konstruktive Anstöße durch diese Zeitschrift, sich auch denjenigen Positionen zuzuwenden, die innovationshemmend sind: Wer saubere Luft will, muss sich den Abgasen zuwenden. – Dieser Beitrag erscheint nach der Landtagswahl, aber am Beginn einer neuen wichtigen Periode der Schulpolitik in Baden-Württemberg.
Einen Schwerpunkt der öffentlichen Diskussionen um den Bildungsplan 2016 bildeten die „Leitperspektiven“. In ihnen sind die pädagogischen Zielsetzungen formuliert, die die Vielfalt der Ziele und Inhalte der Einzelpläne bündeln. Die Diskussionen im Vorfeld waren neben aller sachlichen Auseinandersetzung immer wieder durch Missverständnisse, aber auch – bei öffentlichen Demonstrationen in Stuttgart – durch Unterstellungen und Böswilligkeiten gekennzeichnet. Der nachfolgende Beitrag stellt die Leitperspektiven, wie aus der Übersicht am Ende des Artikels hervorgeht, u. a. aus der Sicht der im Kultusministerium zuständigen Mitarbeiter/ -innen vor und möchte vor allem zur Versachlichung der Diskussion beitragen.
„Ach, die Werte!“, seufzte Hartmut von Hentig (1999/2007). „Und, ach, deren flinke Vermittler! Einer, der sich für die Pädagogik … verantwortlich fühlt, muss sich in beiden Richtungen behaupten: gegen die wahlkämpfenden Bildungspolitiker und gegen die didaktischen Hexenmeister. Woher nimmt er die Hoffnung, dass er das kann?“ (S. 9f.) Zwar ist ganz unbestritten moralische Erziehung eine Kernaufgabe von Erziehung und Bildung, aber sie befindet sich damit in der altbekannten Zwickmühle ihrer angeblichen und tatsächlichen „Zuständigkeiten und Verlegenheiten“ (Hentig 2006, 51ff.); denn wie werden im Kontext der Schule welche Werte konkret erfahrbar, an welchen schulischen Erfahrungen können sich moralische Erfahrungen, Reflexionen, Bewährungen festmachen? Um welche Wertbezüge geht es im Schulleben und im Religions- und Ethikunterricht, in Geschichte und Politik, Natur- und Staatsbürgerkunde? Im unmittelbaren Nahbereich um Gewaltlosigkeit und Respekt, Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft? Ferner um Frieden, Gerechtigkeit und Gemeinwohl? Um Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit? Um Nächstenliebe, Solidarität und Menschenrechte? Um life, liberty and pursuit of happiness?
Nach dem künftigen baden-württembergischen Bildungsplan 2016 (MKJS 2016) für Geschichte werden sich Schüler/-innen der Sekundarstufe I mit dem alten China beschäftigen. Hier zeigt sich ein ganz neuer Ansatz, den es im Geschichtsunterricht so bislang nicht gab: Lernende sollen im Rahmen der Themenfelder „Fenster zur Welt“ ganz bewusst mit globalgeschichtlichen Perspektiven der Vergangenheit konfrontiert werden.
Der Bildungsplan 2016 tritt mit dem Schuljahr 2016/2017 in Kraft und stellt im Blick auf die Kompetenzorientierung eine konsequente Weiterentwicklung des Bildungsplans 2004 dar. Bildungspolitik versucht, in einem Abstand von ca. 10 Jahren Aktualisierungen und Fokussierungen im Blick auf die Entwicklung und Anforderungen der Gesellschaft, Veränderungen in den Fächern sowie ein verändertes Lehr-Lern-Verständnis in neue Bildungspläne einfließen zu lassen.
Jede Bildungsplanreform muss Fragen beantworten, zu denen die vielleicht trivialste, aber für Lehrkräfte und die Gesellschaft womöglich prominenteste die Frage zählt: Warum (schon wieder) ein „neuer“ Bildungsplan? Die Akzeptanz und die Wirksamkeit eines neuen Bildungsplanes werden ganz wesentlich davon abhängen, wie weit es gelingt, ihn als sachgerechte Antwort auf grundsätzliche und aktuelle Fragen und Herausforderungen des Kindes- und Jugendalters und der schulischen Bildungswege plausibel zu machen. Der nachfolgende Beitrag betrachtet den Bildungsplan 2016 nicht unter dem Gesichtspunkt Unterricht, sondern im Hinblick auf die ihm zugrunde liegenden Erziehungs- und Bildungsziele.